Die Ausgangslage
Die Schweiz ist ein Mitmachland. Unser Erfolgsmodell baut seit jeher darauf auf, dass Menschen Verantwortung übernehmen – im Beruf, im Verein, im Dienst. Ein einfaches Prinzip, das im Artikel 6 der Bundesverfassung festgehalten ist: Jede Person nimmt Verantwortung für sich selbst wahr und trägt nach ihren Kräften zum Wohl der Gemeinschaft bei.
Das ist einzigartig – kein anderes Land kennt eine so klare Verpflichtung zur gemeinsamen Verantwortung und das hat uns so erfolgreich gemacht. Dieses Prinzip hat unser Land durch Krisen getragen, Generationen verbunden und für Zusammenhalt und Sicherheit gesorgt. Es ist Teil unserer Schweizer Identität und Stärke.
Doch das Milizsystem bröckelt, während sich die Risikolage verändert und verschärft: Krieg in Europa. Alle 11 Sekunden ist die Schweiz Ziel eines Cyberangriffs. Hochwasser gefährdet unsere Bevölkerung wie erst kürzlich in Blatten. Naturkatastrophen verursachen jährlich Schäden von über 300 Millionen Franken. Auch Blackouts und Pandemien zeigen: Noch nie war unser Land so verletzlich – und noch nie so sehr auf das Engagement jedes Einzelnen angewiesen.
Und doch: Wenn man sich die Alterskohorte der heute 20-Jährigen anschaut, merkt man, dass nur ein Drittel der Jugendlichen heute überhaupt einen Dienst leistet, nur ein Fünftel in der Armee – fast ausschliesslich junge Schweizer Männer. Frauen können zwar freiwillig einen Dienst leisten, das machen aber nur die wenigsten und sind deshalb im Wehrdienst faktisch inexistent. Zudem brechen jedes Jahr Tausende ihren Dienst aus diversen Gründen ab. Beispielsweise leiden ein Viertel der Jugendlichen an Angstsymptomen oder Depressionen (CFEJ 2024).
5 absurde Fakten übers Dienstpflichtsystem
Absurder Fakt 1: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung wird nicht einbezogen
Warum nur die Hälfte, wenn die ganze Schweiz betroffen ist? Heute sind Frauen im Milizsystem fast inexistent, und selbst bei den Männern leisten viele keinen Dienst. Das Ergebnis: Lücken bei Armee, Zivilschutz und in zivilen Bereichen, wo dringend Unterstützung gebraucht wird – das ist absurd. Denn gerade in Krisenzeiten braucht es mehr engagierte Menschen, nicht weniger. Deshalb macht die eidgenössische Volksinitiative «Für eine engagierte Schweiz (Service-Citoyen-Initiative)» aus einem Dienst für wenige ein Engagement für alle.
Absurder Fakt 2: Zivilschutz rekrutiert Untaugliche.
Absurd, aber wahr: Wer Leben retten will, muss zuerst im Militär durchfallen. Im heutigen System dienen nur Leute im Zivilschutz, die für die Armee als untauglich gelten. Das heisst: körperlich oder psychisch eingeschränkt – also genau die Menschen, die im Ernstfall andere schützen sollen. So fehlen im Zivilschutz über 12’000 Einsatzkräfte – nicht wegen fehlender Motivation, sondern wegen eines unsinnigen Auswahlverfahrens, das den gesunden Menschenverstand ignoriert.
Absurder Fakt 3: Zuerst Panzer, dann Pflege.
Wer helfen will, muss zuerst beweisen, dass er kämpfen kann. Um also im Altersheim, in Kindertagesstätten, in der Landwirtschaft oder anderen zivilen Bereichen Hilfe zu leisten, muss man zuerst die militärischen Eignungstests bestehen. Denn ohne bestandenen Militärtest kein Zivildienst. Ein System, das Menschen zwingt, erst die Armee zu bejahen, bevor sie sie ablehnen müssen, um zivile Hilfe zu leisten.
Absurder Fakt 4: Zivildienst für Frauen geht nur übers Militär.
Eine Frau, die Zivildienst leisten will, muss sich zuerst freiwillig fürs Militär melden, alle Eignungstests bestehen, vom Militärartzt als tauglich erklärt werden und danach den Militärdienst verweigern. Erst dann darf sie im Zivildienst helfen. Dieser Weg ist kompliziert und völlig absurd. So kommt es, dass heute nur 16 Frauen in der Schweiz Zivildienst leisten. Nicht wegen fehlendem Willen, sondern wegen eines Systems, das sie daran hindert.
Absurder Fakt 5: Das System zwingt zum Lügen.
Jedes Jahr täuschen tausende junge Männer Gewissenskonflikte vor, nur um in den Zivildienst zu dürfen. Das heutige Wehrpflichtsystem zwingt sie dazu, statt ihr Engagement zu fördern. Das Ergebnis: Menschen mit echter Motivation werden ausbremst und ehrliches Engagement unnötig erschwert. Müssen wir wirklich Lügen, um dem Vaterland auch zivil zu dienen?
Das Ergebnis? Es fehlen heute schon 12’000 Einsatzkräfte im Zivilschutz, bis 2030 droht gar ein Defizit von 22’000. Die Armee rechnet mit zukünftigen Beständedefiziten. Freiwillige Feuerwehren und Rettungsdienste finden für den Tagesdienst kaum Einsatzbereite. Schon heute ist klar: das Fundament unseres Zusammenhalts bröckelt. Aber nicht etwa, weil junge Menschen sich nicht mehr engagieren wollen, sondern weil das Wehrplichtsystem absurd geworden ist.
Und was macht der Bundesrat? Er schiebt die überfälligen Reformen vor sich hin. Er verfasst dutzende Berichte über die Weiterentwicklung des Dienstpflichtssystems auf Kosten des Steuerzahlers – ohne konkrete Fortschritte:
Das Resultat nach 10 Jahren «vertiefter Vorprüfung»? Die Einführung eines obligatorischen Orientierungstags für Frauen… Das reicht bei Langem nicht. So riskieren wir zu verlieren, was uns immer stark gemacht hat: die Möglichkeit, sich für unser Land zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.
Deshalb die Service-Citoyen-Initiative
Die Service-Citoyen-Initiative gibt eine klare Lösung: Alle jungen Menschen – Frauen wie Männer – leisten einen Dienst zugunsten der Allgemeinheit, der Sicherheit und der Umwelt.
Am Ende ihrer regulären Schulzeit, als Teil der Grundausbildung, lernen unsere Jungen, Verantwortung zu übernehmen, in Notlagen zu reagieren, sich online zu schützen und im Team über den Kantönligeist hinweg zusammenzuarbeiten. Diese Erfahrungen erweitern den Horizont und stärken nicht nur die Einzelnen, sondern auch unsere Gesellschaft und Wirtschaft, die auf engagierte Talente angewiesen sind.
Die Idee dahinter ist einfach: Damit die Schweiz stark und krisenfest bleibt, braucht es das Potenzial aller. Jede und jeder übernimmt Verantwortung und leistet seinen Beitrag. Das ist fair und stärkt den Zusammenhalt. Denn in einer Zeit wachsender Individualisierung und Virtualisierung bringt der Dienst Menschen aus unterschiedlichen Regionen, Meinungen und Hintergründen zusammen und schafft Vertrauen jenseits von Grenzen. Ein zutiefst Schweizerischer Ansatz, also.
Der Service Citoyen ist ein modernes Milizsystem und eine Investition in die Menschen. Ob Militärdienst, Zivilschutz, Zivildienst oder ein anderes Milizengagement – mit dem Service Citoyen hilft man als Soldat, Rettungsschwimmerin oder Feuerwehrfrau dort, wo es am meisten Hilfe braucht.
Damit sichert die Initiative den Bestand von Armee und Zivilschutz und baut gleichzeitig neue Kapazitäten in Bereichen auf, die heute entscheidend sind, etwa Katastrophenschutz, in der Cyberabwehr oder im Gesundheitswesen.
Die Sicherheitsstudie der ETH zeigt: 66% der Bevölkerung befürworten diesen Schritt. Doch solange sich die Politik durch ihr ewiges Links gegen Rechts und Stadt gegen Land blockiert, bleibt die Schweiz geschwächt. Die Service-Citoyen-Initiative überwindet diese politische Spaltung und vereint Sicherheit mit Verantwortung und Tradition mit Modernität – ganz im Sinne von «Einer für alle, alle für einen», egal auf welcher politischen Seite man steht.
Darum: Mit einem JA zur Service-Citoyen-Initiative machen wir unser Land krisenfest, geeint und bereit für die Zukunft. Und wir erneuern, was die Schweiz stark gemacht hat: den Willen, einander zu helfen und füreinander einzustehen.
Wer steckt hinter der Initative?
Hinter der Initiative stehen Menschen, die nicht länger zusehen wollen, wie das Milizsystem zusammenfällt, sondern Verantwortung übernehmen. Sie setzen sich aus allen Landesteilen, Generationen und politischen Lagern gemeinsam für eine engagierte Schweiz ein. Damit Engagement wieder selbstverständlich wird, und unser Land stark bleibt.
Ein Initiativkomitee
27 engagierte Persönlichkeiten, vereint für eine engagierte Schweiz.
Ein Unterstützungskomitee
Menschen aus der ganzen Schweiz, die Verantwortung übernehmen und sich für einen Service Citoyen einsetzen.
Eine Allianz
Partner aus Zivilgesellschaft, Vereine und Politik – gemeinsam für eine starke Schweiz.
Der Weg zum Service Citoyen
2013
Vereinsgründung
Eine Gruppe junge Menschen – die meisten noch im Dienst – erkennen, dass das Milizengagementsystem verbessert werden muss, um gerechter und wirksamer zu werden. Dafür gründen sie in Genf den Verein «Service Citoyen». Ihr Engagement legt den Grundstein für die heutige Allianz.
Februar 2016
Einladung von Bundesrat Guy Parmelin
Bundesrat Guy Parmelin lädt den Verein ein (-> Brief vom 26. Februar), an der Diskussion über die Weiterentwicklung des Dienstpflichtssytems mitzuwirken. Der Verein beteiligt sich an der Vernehmlassung zum «Bericht Loepfe».
2016
Studiengruppe Dienstpflichtsystem ohne Ergebnis
Im «Bericht Loepfe» wird die Idee einer allgemeinen Dienstpflicht verworfen. Diagnose: kein Handlungsbedarf. Man merkt: Bundesbern steckt lieber den Kopf in den Sand statt hinzusehen.
2018
Entscheid gefällt: WIR müssen handeln
Aus der Westschweiz wächst eine nationale Bewegung. Immer mehr Menschen in der Deutschschweiz schliessen sich an und tragen die Idee eines Service Citoyen gemeinsam weiter.
2019
Start der Initiative
Nach sechs Jahren Arbeit hinter den Kulissen – mit Studien, Arbeitsgruppen und unzähligen Gesprächen – fällt der Entscheid, den nächsten Schritt zu wagen: die Lancierung einer eidgenössischen Volksinitiative. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Armee, Zivilschutz und Zivilgesellschaft wird der Initiativtext ausgearbeitet.
April 2022
Beginn der Unterschriftensammlung
In allen Landesteilen engagieren sich Menschen, um Unterschriften zu sammeln, die Idee bekannt zu machen und die Intitiative zustandezubringen. Was als Engagement weniger begann, wächst zu einer schweizweiten Verantwortung.
November 2023
Die Initiative kommt zustande
Am 21. November 2023 erreicht der Service Citoyen sein erstes grosses Ziel: 107’613 beglaubigte Unterschriften werden eingereicht. Ein historischer Moment: die Initiative ist offiziell zustande gekommen und die Schweiz wird die Gelegenheit haben, über die Intiative abzustimmen. Ganz nebenbei deckt der Verein zusammen mit dem Tagi den «Unterschriftenbschiss-Skandal» auf.
2024 – 2025
Initiative beim Bundesrat und Parlament
Während zwei Jahren befassen sich Bundesrat und Parlament mit der Initiative. Obwohl sie Sympathien für das Anliegen zeigen und selbst anerkennen, dass das heutige System bröckelt, lehnen sie die Initiative ab. Sie bringen keinen Gegenvorschlag zustande.
30. November 2025
Du entscheidest
An diesem Tag stimmt die Schweiz über den Service Citoyen ab. Die Initiative schlägt eine gerechte, zukunftsfähige Reform der Dienstpflicht vor – ganz im Sinne von zwei Dritteln der Bevölkerung, wie die ETH-Studie «Sicherheit 2025» zeigt. Mit deinem JA hilfst und stärkst du die Schweiz.
Ab 2026
Umsetzung in die Praxis
Bei einem JA von Volk und Ständen wird der Service Citoyen in die Bundesverfassung aufgenommen. Der Bundesrat unterbreitet einen Umsetzungsvorschlag – dieser Prozess dauert in der Regel zwei bis fünf Jahre.
Werde auch du Teil der Geschichte.
Service Citoyen ist mehr als eine Initiative, es ist eine Bewegung. Werde Teil davon und hilf mit. Für eine engagierte und starke Schweiz.

